Die „unfriedlichen“ Deutschen

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Deutsche sind verführbar!

Durch die neuere Geschichtsbetrachtung wird ja permanent dargestellt, dass wir Deutsche „aggressiv“, angriffslustig“ und „kriegslüstern“ sind! So schrieb z. B. auch „Der Tagesspiegel“ zu einer vom Altbundeskanzler Helmut Schmidt anlässlich des Rekrutengelöbnis vor dem Reichstag am 20. Juli 2008 gehaltenen Rede folgendes: In einer bewegenden Rede versicherte Altkanzler Helmut Schmidt den Rekruten: "Ihr könnt Euch darauf verlassen: Dieser Staat wird Euch nicht missbrauchen." Zwar glaubten viele, unser heutiger Friede sei selbstverständlich. "Aber seit Jahrhunderten haben wir Deutschen uns keineswegs als eine sonderlich friedliche Nation erwiesen. " Die Menschen seien verführbar. "Auch wir Deutschen bleiben verführbar.“

Ich habe bisher Helmut Schmidt sehr verehrt, aber bei diesen Worten komme ich, bei allem Respekt, nicht ohne Kritik vorbei. Bei diesen Äußerungen habe ich ein Problem, denn da steht schon zuerst die Frage, seit wann können wir Deutschen uns überhaupt „Nation“ nennen und: waren wir je ein „deutsche Nation“? Der historische Fakt ist, dass es ein Deutsches Reich erst seit 1871 gab, aber - es gab drin mehrere souveräne Königreiche (Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg) und Ländern - da kann man wohl kaum von „einer“ Nation sprechen! In den „deutschen“ Staaten damals war man primär Bayer, Sachse, Thüringer oder Preuße!

„Seit Jahrhunderten waren wir Deutschen keine friedlich Nation!?“ Was meinte der Altbundeskanzler damit? Wie weit richtete er dabei sein Blick in die Geschichte zurück – 50,100, 200, 300 Jahre? Wie friedlich waren die "Deutschen" oder die anderen europäischen Nationen damals überhaupt?

Antwort gibt uns da das Werk des bedeutenden amerikanischen Historikers Quincy Wright "A Study of War" (Chicago 1942, 1965). In dem voluminösen Werk von über 1.600 Seiten werden alle 278 Kriege in Europa von 1480 bis 1940 aufgeführt und eine Vielzahl von Faktoren systematisiert und analysiert. Quincy listete die Anzahl der Kriege auf und ordnete sie den einzelnen Ländern prozentual zu:
England 28 %
Frankreich 26 %
Spanien 23 %
Russland 22 %
Österreich 19 %
Türkei 15 %
Polen 11 %
Schweden 9 %
Holland 8 %
Preußen und
Deutsches Reich 8 %

Hier sind weitere Informationen zu der Friedlichkeit der anderen europäischen Staaten:

Ach, übrigens auch noch etwas zu der Friedfertigkeit der Franzosen, das werden unsere linksrheinischen Bürger, aber auch die auf der rechten Rheinseite aus ihrer Heimatgeschichte besser wissen, wie oft es zu französischen Kriegshandlungen gegen das „deutsche“ Territorium kam – Historiker zählen über die Zeit weit über fünfzehn französische Einfälle und Invasionen

Ich möchte bitte nicht wieder missverstanden werden, es geht hier nicht um Aufrechnung oder Revision, aber es geht um Verifizierung von Geschichte. Über die „unfriedlichen“ Deutschen schrieb Madame de Staël nach eine Deutschlandreise Anfang des 19. Jahrhunderts ihr meistgelesenes und langfristig wirksamstes Buch De l'Allemagne, „Über Deutschland“, in dem sie u.a. feststellt: „In der Literatur wie in der Politik haben die Deutschen zuviel Achtung vor dem Ausland und nicht genügend nationale Voreingenommenheit. Selbstverleugnung und Achtung vor anderen sind bei Individuen eine Tugend – der Patriotismus der Nationen muss egoistisch sein.“

In der Schlacht bei Königgrätz 1866, verlor Österreich-Ungarn den österreichischen-preußischen Krieg. Daraufhin verwies Bismarck das Habsburger Kaiserreich aus dem Deutschen Bund. Doch die Deutsch-Österreicher wollten das nicht hinnehmen, sie wollten „Heim ins Reich“ - dabei entstand in Österreich ein ziemlich aggressiver pan-germanischer Nationalismus. Neben Guido von List und Jörg Lanz von Liebenfels, war auch Georg von Schönerer, ein Vertreter eines radikalen deutsch-österreichischen Nationalismus, der sukszessiv nach Deutschland überschwappte.

In dieser nationalistisch-antijüdisch gefärbten Atmosphäre wuchs in Wien ein junger Mann, namens Adolf Hitler heran, der das alles in sich aufsog und es später in seinem Größenwahn praktizierte!

Die nationalistischen Strömungen wurden unterstützt, von der unfreundlichen Haltung der europäischen Randstaaten, insbesonders Großbritanniens, das seit Ende des 19.Jahrhunderts gezielt in der Öffentlichkeit ein „deutsches Feindbild“ aufbaute, das noch heute seine Auswirkung zeigt, wenn in der britischen Presse von „The Huns“ - den Hunnen die Rede ist, wenn man uns Deutsche meint! Aus diesen ganzen Fakten wird im Deutschen Reich ab 1890 ein „Einkreisungssyndrom“ erzeugt. Das alles fördert den übertriebenen Nationalismus im Deutschen Reich. Dieser führte letztendlich mit in die blutigen Vernichtungsschlachten des 1. Weltkrieges und daraus resultierend zu dem vom „Führer“ angezettelten 2. Weltkrieg.

© Buhad 22/03/10

12.4.10 23:24

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