Die Stasi war immer dabei!

Die unterwanderte Republik - Spione und IM im Westen

Wie sehr die Bundesrepublik mit der Tätigkeit der Stasi verstrickt war, wurde wieder klar, als die Mitarbeit des Ohnesorg-Todesschützen Kurras, mehr oder weniger durch Zufall, aufgedeckt wurde! Da wurde ersichtlich, dass die deutsch-deutsche Geschichte zu diesem Thema noch nicht zu Ende ist. Wie die Birthler-Behörde bekannt gab, seien bisher viele Agenten bislang noch nicht enttarnt worden, obwohl man sicher ist, auf weitere Akten zu stoßen und weitere Enthüllungen zu erwarten sind. Nach den Erkenntnissen der Birthler-Behörde gab es in der BRD etwa 12.000 IM von denen die Hälfte von der Auslandsspionageabteilung HVA geführt wurde und deren Akten in der Übergangszeit 1989/90 vernichtet wurden. Die restlich Akten der anderen 6.000 IM, zu denen u.a. auch Kurras gehörte, hatten andere Stasi-Abteilungen angelegt und diese lagern noch in der Behörde. Bislang sind wenige Hundert öffentlich bekannt worden - mit Überraschungen ist also noch zu rechnen.

Zum gleichen Thema hat Hubertus Knabe, ein Historiker und der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ein Buch „Die unterwanderte Republik – Stasi im Westen“ geschrieben. Er gibt darin 20 – 30.000 West-IM an, die nach seiner Einschätzung sehr intensiv an den gesellschaftlichen Entwicklung und den politischen Prozessen in der Bundesrepublik teilnahmen. Dabei berichtet er nicht nur über die spektakulären Fälle, wie die Unterwanderung des Bundeskanzleramtes durch Guillaume oder über den Spion Rainer Rupp alias "Topas", der in den Besitz geheimster Materialien aus der Brüsseler NATO-Zentrale gekommen war. Auch die Beeinflussung und teilweise Steuerung der Studenten- und Antikriegsbewegung war ein „Verdienst“ der HA des DDR-Geheimdienstes. Weiterhin bezieht sich Knabe auch auf die gezielte Plazierung und Werbung von Agenten in neuralgischen Punkten der Wirtschaft, in der Forschung und in den geheimdienstlichen Organisationen der Bundesrepublik.

Den größten Schaden für die Bundesrepublik und andere westliche Geheimdienste richtet Heinz Felfe als Agent an. Durch seine Stellung als Leiter der Spionageabwehr beim BND hatte Felfe zudem jahrelang die Aktivitäten dieses Bereichs ins Leere laufen lassen. Der Schadensbericht des BND muss noch viel umfangreicher gewesen sein; man fand 300 Minox-Mikrofilme mit 15.660 Fotos und 20 Tonbänder in seiner Wohnung. Weltweit wurden von ihm 94 V-Männer des BND verraten, u. a. der BND Resident in Bangkok. Die Identitäten, die sonst beim BND prinzipiell nur wenigen Mitarbeitern bekannt waren, verschaffte er sich durch verdeckte Ermittlung innerhalb der eigenen Behörde.

Der Ruf des Bundesnachrichtendienstes, der zuvor schon nicht in der Lage gewesen war, die Vorbereitungen der DDR zum Bau der Berliner Mauer zu erkennen, wurde durch den Verrat Felfes sowohl bei deutschen Politikern als auch gegenüber den Amerikanern und anderen ausländischen Diensten weiter nachhaltig geschädigt. Noch schlimmer war der Vertrauensverlust innerhalb der Organisation selbst.

Ähnlichen Schaden richtete so Gabriel Gast ebenfalls als Mitarbeiterin des BND an. Sie wird 1968 bei einem Besuch in der DDR für die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des Ministerium für Staatssicherheit angeworben. Dort arbeitet sie von nun an als Spionin für die Stasi. Im Jahr 1973 wird sie beim Bundesnachrichtendienst in Pullach eingestellt. Als Spionin mit dem Decknamen „Leinfelder“ arbeitet sie im Sowjetunion-Referat des BND und wurde sogar als Regierungsdirektorin befördert. Erst 1990 wurde Gast enttarnt, festgenommen und verurteilt.

Bekannt ist auch der Unternehmer des Fotohandels und Millionär Karlheinz Porst, seit 1955 Mitglied der FDP und gleichzeitig heimlich der SED. Er hatte seit Mitte der 1950er Jahre Landesgeheimnisse und Informationen über die FDP an das Ministerium für Staatssicherheit der DDR weitergegeben. Porst war sogar mit dem damaligen Leiter der HVA der Stasi Markus Wolf befreundet. Er bekannte sich als Marxist und bezeichnete seine Gespräche in Ost-Berlin als einen Beitrag zur besseren Verständigung zwischen den beiden deutschen Staaten.

Es gelang der Stasi u.a. auch politische Funktionsträger der Bundesrepublik, wie z. B. den ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke, den Staatssekretär Hans Globke und den Vertriebenenminister Eugen Gerstenmaier durch gezielte Kampagnen aus ihren Funktionen zu drängen. Die Stasi hat auch versucht Herbert Wehner zu diskreditieren, das kann Knabe in seinem Buch sehr überzeugend nachweisen. Wehner war den Machthabern im Osten ein Dorn im Auge, weil er als ehemaliger kommunistischer Funktionär im Moskauer Exil, viel von den Machenschaften der KPD und den Morden Stalins erlebt und erfahren hatte.

Auch die RAF hatte Kontakte zur Stasi, so bildeten Mitarbeiter der HA XXII in den 80er Jahren wiederholt RAF-Mitglieder im Umgang mit Waffen und Sprengmitteln aus. Dass acht Aussteiger der Rote Armee Fraktion in der DDR Unterschlupf, Schutz vor westlicher Strafverfolgung und eine neue Identität erhielten, konnte nach der Wende durch Akten belegt werden. Doch die Stasi war so misstrauisch, dass sie die übergesiedelten Ex-Terroristen rund um die Uhr überwachen ließ und sie getrennt voneinander ansiedelte (keiner kannte übrigens Wohnort und neue Identität des anderen).

Mitarbeiter der HAV der Stasi in der Bundesrepublik Deutschland (Ausschnitt)
Hagen Blau – Spion im Auswärtigen Amt
William Borm (FDP, MdB 1960 - 1982)
Klaus Croissant IM (Rechtsanwalt)
Brigitte Heinrich IM (SDS, Journalistin)
Bernt Engelmann IM (Autor und Journalist)
Gerhard Kade (IM „Super“, KFAZ)
Joachim Krase – Spion im Militärischen Abschirmdienst
Klaus Kuron – Mitarbeiter der Abteilung Gegenspionage im Bundesamt für Verfassungsschutz
Holger Oehrens (IM „Alf“) – Fernseh- und Zeitungsjournalist, HR, Bild-Zeitung
Johanna Olbrich (alias Sonja Lüneburg) – Spionin bei Martin Bangemann
Lilly Pöttrich – Spionin im Auswärtigen Amt
Klaus Kurt von Raussendorff – Spion im Auswärtigen Amt
Alfred Spuhler – Spion im Bundesnachrichtendienst
Karl Wienand (SPD, MdB 1953 - 1974)

In Anlehnung eines Schlagers: Ja, die Stasi war immer dabei!

Quellen:
Internet - Wikipedia
Hubertus Knabe, Die unterwandert Republik – Stasi im Westen
K. Eichner, Top-Spione im Westen

27.3.10 08:21

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