Deutsch-polnische Spannungen (1919–1933)

Was nicht allgemein bekannt ist!

Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt Polen 1918 seine Souveränität zurück. Im Friedensvertrag von Versailles wurde die Unabhängigkeit Polens im internationalen Rahmen bestätigt. Die souveräne Zweite Polnische Republik wurde am 11. November 1918 neu gegründet. Sie gehörte für die Siegermächte des Ersten Weltkriegs zum osteuropäischen "Cordon Sanitaire", der erstens Westeuropa vor dem bolschewistischen Russland schützen und zweitens mögliche neue Großmachtambitionen Deutschlands eindämmen sollte.

Alle Regierungen der Weimarer Republik strebten im Sinne großer Bevölkerungsteile eine Revision der Ostgrenzen an, um die 1919 verlorenen Gebiete zurückzugewinnen (Vertragsrevisionismus). So garantierte der Vertrag von Locarno 1925 zwar die neue deutsche Westgrenze, doch eine ähnliche Regelung für die Ostgrenzen lehnte Gustav Stresemann ab. Stattdessen leitete die Reichsregierung einen ergebnislosen Zollkrieg gegen die polnische Wirtschaft ein. Gleichzeitig näherte sie sich 1922 mit dem Vertrag von Rapallo und dem Berliner Vertrag 1926 politisch der UdSSR an, mit der sie auch militärisch zusammenarbeitete, um Versailler Beschränkungen zu umgehen.

Auf Grund des Versailler Vertrag kam die Provinzen Westpreußen und Posen mitsamt dem mehrheitlich deutsch besiedelten Korridor zu Polen. Damit wurde Ostpreußen vom übrigen Reichsgebiet abgetrennt. Danzig wurde als Freie Stadt aus Deutschland ausgegliedert, unter die Kontrolle des Völkerbunds gestellt und erhielt einem polnischen Freihafen. Für die ethnischen Minderheiten in Polen – vor allem Ukrainer, Weißrussen, Ruthenen, Deutsche und Juden – waren vertraglich vereinbarte Sonderrechte vorgesehen, mit deren Einhaltung die polnische Administration sichtliche Schwierigkeiten hatte.

Weder die polnische noch die deutsche Seite war mit den im Versailler Vertrag festgelegten Grenzen einverstanden. Polen erweiterte sein Staatsgebiet im Osten über die in den Pariser Friedensverhandlungen vorgeschlagene Grenze (Curzon-Linie) hinaus. Polen erhielt von Sowjet-Russland im Frieden von Riga im September 1920 Gebiete, die zu zu Lasten Litauens, Weißrußlands und der Ukraine gingen. Der genaue Grenzverlauf zwischen Deutschland und Polen wurde erst nach bürgerkriegsartigen Aufständen in Oberschlesien im Juli 1921 festgelegt und blieb weiterhin ständiger Streitpunkt. Die Aufstände in Oberschlesien waren drei bewaffnete Konflikte, die zwischen 1919 und 1921 im zum Deutschen Reich gehörenden Oberschlesien stattfanden. Erklärtes Ziel der polnischen Aufständischen war es, Oberschlesien an die Zweite Polnische Republik anzuschließen. Entgegen ihren Erwartungen erfolgte jedoch keine offene militärische Unterstützung durch den polnischen Staat, der sich zu diesem Zeitpunkt im Polnisch-Sowjetischen Krieg befand.

Die angespannte Sicherheitslage, Terror und Gegenterror in Oberschlesien vor und während des Plebiszits am 20. März 1921 kosteten auf beiden Seiten ca. 3.000 Menschen das Leben. Aber auch nach der Volksabstimmung in Oberschlesien (Stimmenverhältnis: 700.605 für Deutschland, 479.359 für Polen) besserte sich die Lage kaum. Die Spannungen mündeten in den Dritten Aufstand, der in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1921 ausbrach und bis zum 5. Juli 1921 dauerte.

Der dritte Aufstand wurde von Oberst Graf Maciej Mielżyński angeführt. Die unmittelbare Ursache war die Ablehnung des britisch–italienischen Gebietaufteilungsvorschlags (Percival-de Marinis Linie) durch die propolnische Seite, der drei Viertel Oberschlesiens, darunter alle Industriezentren, bei Deutschland belassen wollte. Zahlreiche polnische Freiwillige, „die nicht in Schlesien beheimatet waren“, beteiligten sich. Damit begann die Besetzung des Teils Oberschlesiens, der nach Korfantys Vorstellungen an Polen abgetreten werden sollte. Lediglich die italienischen Truppen hinderten die Aufständischen am Vormarsch, die französischen Verbände schritten nicht ein. Deutsche Freikorps schlossen sich daraufhin im Selbstschutz Oberschlesien (SSOS) zusammen und begannen mit der Gegenwehr. Die größte Schlacht des Aufstandes fand in der Gegend um den St. Annaberg vom 21. bis 27. Mai 1921 statt, deren Höhepunkt der Sturm auf den Annaberg durch den SSOS mit der Besetzung des Berges am 21. Mai 1921 bildete. Der Aufstand selbst endete am 5. Juli 1921 mit einem Waffenstillstandsabkommen, das auf Druck der Alliierten zustande kam. Korfanty beugte sich diesem Druck, wollte den Aufstand nur als eine militärische Manifestation sehen und befahl die Beendigung der Kämpfe. Dafür wurde er von der militärischen Aufstandsführung, u. a. durch Oberst Mielżyński, scharf kritisiert.

Korfanty setzte sich dennoch durch und konnte den 1922 in Genf unterzeichneten Teilungsvorschlag (2/3 Deutschland, 1/3 Polen) als eigenen Erfolg feiern. Beim Deutschen Reich verblieb der zwar flächen- und bevölkerungsmäßig größere, vor allem jedoch eher agrarisch strukturierte Teil des Abstimmungsgebiets – die großen industriellen Komplexe gingen an Polen. Die polnische Regierung behielt weiter ihre unnachgiebige Haltung in den Grenzfragen und versuchte, Polen zu einer Führungsmacht in Ostmitteleuropa zu machen, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer (Międzymorze). Unter Józef Piłsudski, dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte, der seit 1918 der eigentliche Machthaber war, schloss das Land am 25. Juli 1932 schließlich einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion, um zunächst den 1921 erfolgten Gebietszuwachs durch Grenzziehung abzusichern.

Nach Westen gab es andere polnische Pläne
So hatte Polens Militär bis 1933 Pläne der Ausweitung der polnischen Westgrenze entwickelt, die deutsches Reichsgebiet einschloss. Diese Pläne wurden sogar in der polnischen Presse veröffentlicht. Es gab außerdem zwei gescheiterte Versuche, Frankreich für eine militärische Präventivaktion gegen deutsche Rüstungszentren zu gewinnen. Der sogenannte „Plan West“ (Plan Zachód) wurde Frankreichs General Gamelin unterbreitet, den dieser aber abwies. Bis 1933 besaß Deutschland nur 10 Divisionen – Polen konnte 30 Divisionen aufbieten. Dem polnischen Generalstab und der polnischen Führung war nach 1935 nur teilweise klar, dass Polens Streitkräfte inzwischen denen der Wehrmacht materiell und operativ unterlegen waren. So meinte der Kriegsminister Tadeusz Kasprzycki: „Man rät uns zum Bau von Festungen und zur Vorbereitung eines Verteidigungskrieges, empfiehlt uns Rückzugsmanöver und Widerstand an unseren Flussläufen. Nichts davon werden wir tun. Wir kennen nur die Offensive, und im Angriff werden wir siegen.“

Die polnische Devise lautete Marsz na Berlin! Marsz na Berlin! (Auf, gegen Berlin) Diese überhebliche Haltung des polnischen Generalstabes und der polnischen Führung musste die polnische Armee beim deutschen Angriff am 1. September 1939 teuer bezahlen!

Diese Tatsachen sind in der Öffentlichkeit weniger bekannt.
Quellen: Fachliteratur, Internet (Wikipedia)

© Buhad 12/09/2009

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Die Klimaschützer

Welches Klima hätten Sie denn gern?

Viele Menschen glauben, dass das Weltklima kontrolliert und gesteuert werden könnte

Ein Gespenst geht um in Europa und in der Welt – die Klimakatastrophe. Doch sie hat keine Chance, denn wie einst der Erzengel Gabriel das Paradies behütete, so wird unserer Umweltminister Gabriel die Welt vorm Klimawandel bewahren! Auch unsere Kanzlerin Frau Merkel, inzwischen zur Klima-Kanzlerin avanciert, wird es dem Rest der Welt zeigen: Wir Deutschen haben etwas gutzumachen und werden den Klima-Gau verhindern. „Germans to the front“ – und Deutschland eilt dem Weltklima entschlossen zu Hilfe. Sollte das allein nichts nützen, holen wir uns den „Klimahelden“ Al Gore, denn der weiß, wie man der Klimakatastrophe furchtlos ins fiese Antlitz blickt!

Dass wir uns bereits mitten in einer Katastrophe befinden, verdeutlichte ein Flutwelle apokalyptischen Schrifttums, das bei diesem herrlichen Frühlingswetter über uns hinwegbraust. Es handelt sich eindeutig um ein pressegemachtes Phänomen, man überbietet sich gegenseitig in neuen Wortschöpfungen aus Klimakatastrophe, Klimanotstand oder Klimachaos wurde der Klimagau und das harmlose Kohlenstoffdioxid (Kohlendioxid) wurde ein Klimakiller. Und er lauert nun an allen Ecken und versucht dem Weltklima den Garaus zu machen. Übrigens, eine Tageszeitung definierte sogar schon den Klimatypen: zwischen Klimasau und Klimaschützer und im MDR wurde die erste Klimakommisarin vorgestellt, die jetzt den Klimakiller unschädlich machen wird!

Aber dieser Klimakiller hat nicht mit der Wachsamkeit unserer Politiker, allen voran dem Erzengel..., äh Umweltminister Gabriel gerechnet. Wir passen auf, dass dem Weltklima nichts passiert - eine breite Koalition steht bereit, um die Klimaschutzziele zu verwirklichen. "Wir stoppen den Klimawandel" – ist das Leitmotto der Klimaschützer aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Nicht nur Politiker, Künstler oder Schauspieler reihen sich in die Kampffront ein, selbst Bischöfe erklären sich bereit selbstlos gegen den Klimawandel zu kämpfen.

Schade, dass unsere kämpferische Elite z. B. nicht im Holozän gelebt hat, dann hätte sie die damals herrschende Warmzeit verhindern können. Der damalige Klimawandel vollzog sich wirklich abrupt in ein paar Jahren und führte in Norddeutschland zu einem Temperaturanstieg um mehr als fünf Grad. Im Holozän war das Klima "außer Kontrolle" geraten und schlug über die Stränge. Nun in der Zukunft wird das nicht mehr passieren, das wird unser Umweltminister Gabriel und die vereinigte Klima-Kampffront zu verhindern wissen. Wenn uns auch das IPCC die grauseligsten Klima-Szenarien spökenkiekerisch vorgerechnet hat, dass sich einem die Haare sträuben. Ab sofort erlauben wir dem Klima nur noch eine Erwärmung von maximal zwei Grad und einen Meeresspiegelanstieg von max. fünf Zentimeter, denn sonst wird gegen die internationale Klima-Konventionen verstoßen und das ist nicht gestattet.

Was mir in der gesamten Klimadiskussion besonders auffällt, ist die Art der Diagnose. Es wird fast ausschließlich über Symptombehandlung diskutiert - nicht über die Ursachenbeseitigung, die nicht beim Klima, sondern primär im Bereich der Umweltzerstörung liegt.

Da wir im Bereich der gemäßigten Klimazone wohnen und dem Wirkungsbereich unterschiedlicher Klimate ausgesetzt sind, sei eine Frage erlaubt: Welches Klima wollen wir eigentlich schützen – das polare, kontinentale oder atlantische Klima. Oder für welches Klima entscheiden wir uns – wärmer oder kälter? Und wird diese Frage durch die Regierung, den Bundestag, die Klima-Kampffront oder durch einen Volksentscheid entschieden? Tja, und letztendlich - was sagt die deutsche Wirtschaft dazu?

Die Situation ist wirklich nicht einfach, aber Herr Gabriel und unsere Klima-Kanzlerin werden es schon richten!

2 Kommentare 3.4.07 01:10, kommentieren

Eine Umwelt-Katastrophe besonderer Art

Der Weltfischerei-Bericht

Während sich in der BRD fast jeder Politiker den Kopf zerbricht, wie die Welt vor der Klimakatastrophe zu retten sei und Herr Gabriel zum Weltklima-Retter avanciert, bereitet sich in aller Ruhe und scheinbar unbeachtet, eine Umweltkatastrophe besonderer Art aus.

Die Ausbeutung der Meere sowie die Bedrohung vieler Fischarten stehen im Mittelpunkt des Weltfischereiberichts, den die Welternährungsorganisation FAO in Rom unlängst veröffentlicht hat. Nicht erst dieser Bericht zeigt auf, wie ernst die Lage unseres Planten geworden ist, fast 8% der Fischarten gibt es nicht mehr, ca. 24 % der Fischbestände sind überfischt, nahezu 50% sind gefährdet, weil sie am biologischen Limit befischt werden und die restlichen Bestände werden wohl auch bald gefährdet sein.  

Hemmungslose jahrzehntelange Überfischung der Weltmeere haben die Situation eklatant verschärft. Der Nordatlantik ist fast leergefischt - Kabeljau und Hering scheint es bald nur noch in den Meeresaquarien zu geben. Die Experten weisen bereits seit Jahren eindringlich darauf hin, dass weltweit rund ein Viertel der Fischbestände bedroht sind. Unter anderem gelten die Tunfischbestände im Atlantik und im Pazifischen Ozean als besonders gefährdet. Die Ökosysteme der Weltmeere sind bis auf den östlichen Indischen Ozean und einige Gebiete im Pazifik so gut wie erschöpft. Das Meer, das größte Ökosystem unseres Planeten, steht vor dem Kollaps meinen die Meereskundler und werfen, wie die Autoren des Berichtes, in diesem Zusammenhang vielen Regierungen vor, sich nicht entschlossen genug für den Schutz der Meere und der Fischbestände einzusetzen. Aber die haben jetzt anderes zu tun, die müssen das „Weltklima“ retten.

Die Hauptursache für die Überfischung sind die Überkapazitäten bei den Fangflotten, die weltweit auf 30 – 40 % geschätzt werden. Die Fischereiflotte der EU umfasst z. B. 100.000 Schiffe, die auch noch jährlich mit ca. 15 Mrd. € subventioniert wird! Doch so lange Schiffe als Fischfabriken gebaut, in die letzten Fanggründe fahren, um dort auch noch den restlichen Beständen den Garaus zu machen, wird sich an dieser Situation nicht viel ändern. Besonders gefährlich sind die Grundschleppnetze und die kilometerlange Treibnetze, die von den Fangschiffen ausgelegt werden, weil sich dort auch viele Meeressäuger wie Kleinwale, Delphine, Seeschildkröten, Robben und Haie verfangen und jämmerlich zu Grunde gehen. Wenn man bedenkt, dass 10 Millionen Menschen vom Fischfang leben, und fast 1,5 Milliarden Menschen weltweit an den Meeresküsten wohnen und sich von den Meeresfrüchten ernähren, kann man sich vorstellen, wie sich deren Ernährungssituation entwickelt.

Nun, vielleicht könnte man sie mit den Rindern ernähren, die jahrelang mit dem Fischmehl gefüttert wurden, die die Hochseefischfabriken der Industrienationen angelandet haben.  

3 Kommentare 9.3.07 20:47, kommentieren

Tödliche Toleranz

Die Muslime und unsere offene Gesellschaft

Seit mehr als 35 Jahren leben Muslime in Deutschland. Warum wird die Kluft zwischen ihnen und den Deutschen immer größer? Warum grenzen sich die Muslime immer mehr bewusst ab und leben in einer Parallelgesellschaft? Warum werden die allgemeinen Menschenrechte wie Toleranz, Meinungs- und Glaubensfreiheit, Gleichstellung von Mann und Frau nicht anerkannt? Warum führen so viele Spuren islamischer Extremisten ausgerechnet nach Deutschland?

Die Muslime und wir – eine gefährliche Situation?

Die Verkünder des Multi-Kulturismus in Deutschland wollten es lange Zeit nicht wahrhaben: die Integration der Muslime ist in unserer offenen, westlichen Gesellschaft gescheitert. – der Traum von der >multikulturellen Gesellschaft< wie eine Seifenblase geplatzt. Die politische Realität holt die Träumer ein, denn der gesellschaftlich Alltag zeigt, wie Gleichgültigkeit, Gedankenlosigkeit und falsch verstandene Toleranz eine echte Integration und ein respektvolles Miteinander verhindern.

Es wird immer zur Gewissheit: die Deutschen und ihre muslimischen Mitbürger leben immer weniger miteinander, sondern immer mehr nebeneinander – und immer öfter gegeneinander. Durch ihre mangelnde Integrationsbereitschaft in eine vormals christlich geprägten Welt, haben sich die Muslime eine Parallelgesellschaft aufgebaut, in der sie teilweise wie in Ghettos leben. Dort werden die Werte der westlichen Welt nicht anerkannt: Werte wie Meinungs- und Glaubensfreiheit, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Toleranz und Respekt. Stattdessen sind Abgrenzung und Hass gegen „Ungläubige“ und „Unreine“, Unterdrückung der Frauen und Respektlosigkeit gegenüber unseren Werten Lebensinhalt. Der „Dschihad“ und die „Shariah“ sollen, so meinen es die Verkünder des islamischen Fundamentalismus, die muslimische Gesellschaft bestimmen.

Günther Lachmann analysiert in seinem Buch die gesellschaftliche Situation in Deutschland sehr realistisch, ohne Rücksicht auf die >Politcal Correctness< oder Scheu vor den Denkgewohnheiten der Multi-Kulturisten. Er zeigt auf, wie durch die Selbstausgrenzung der Muslime von unsrer Gesellschaft und der daraus resultierenden Abwehrhaltung der einheimischen Bevölkerung, immer mehr Muslime offen für die Botschaften der radikalen Islamisten werden. Und er stellt nach seinen intensiven Recherchen fest, dass sich dadurch eine bedrohliche Situation in unserer Gesellschaft entwickelt. Nur hätte ich einen anderen Titel gewählt: bedrohliche Toleranz!

Im Vorwort schreibt G. Lachmann, dass sich sein Buch weder gegen Ausländer im Allgemeinen noch gegen Muslime und den Islam im Besonderen richtet. Sein Buch soll die Umstände der Immigration beschreiben und vor allem die Fehler aufzeigen, die von Politik, Verwaltung, und der Gesellschaft gemacht wurden, in dem man den Muslimen nicht nachhaltig unsere kulturellen und ideellen Werte vermittelte und ihnen nicht eindeutig klarmachte, dass es eine muslimische Parallelgesellschaft – Koran versus Grundgesetz – nicht geben kann.

Er will das Aufkommen eines radikalen, fundamentalistischen Islam und seine religiös motivierten politischen Herrschaftsansprüche durch den Dschiad darlegen, denen der Gottesstaat und die Sharia als muslimische Gesellschaft folgen sollen.

© Rezension: Buhad 2006, Berlin-Köpenick, koepena@web.de

Günther Lachmann, Tödliche Toleranz, Die Muslime und unsere offene Gesellschaft, Piper 2005

2 Kommentare 22.1.07 17:31, kommentieren

Die fiktive Demokratie

Politik ohne Verantwortung am Volk vorbei

Das Wesen des demokratischen Staates hat zwei Prinzipien: Selbstentscheidung des Volkes und inhaltliche Richtigkeit der Politik. Lincoln manifestierte das in seiner berühmten Gettysburger Rede 1863, wonach Demokratie „regieren des Volkes, durch das Volk und für das Volk“ sei!

Wie sieht es mit den zwei Prinzipien und das Regieren des Volkes durch das Volk und für das Volk aus?

Im Artikel 20 des Grundgesetztes steht: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.

Aber welchen direkten Einfluss haben die Bürger an heutigen politischen Entscheidungen und wie wird die politische Klasse demokratisch kontrolliert?
Letztendlich lebt Demokratie, dass in der Politik Verantwortung nachweisbar bleibt.
Von der EU abgesehen, ist die Auflösung der Verantwortlichkeit nirgendwo so auffällig wie im Föderalismus in Deutschland. Der deutsche Exekutivföderalismus, den die „Landesfürsten“ bereits bei der Abfassung des Grundgesetzes für sich durchgesetzt und immer weiter ausgebaut haben, ist ausgesprochen antidemokratisch, denn das Volk, der Souverän, blieb von Anfang an „außen vor“!

Legt man den Lincoln’schen Begriff von der Demokratie als Maßstab an, kommt die heutige Politik sehr schlecht bei weg. In unserem politischen System zeigen zwei große Defizite, die vermutlich einen wesentlichen grund für die verbreitete Politikerverdrossenheit geführt hat:

- dringende Sachprobleme werden nicht, kaum oder nicht rechtzeitig gelöst (Parteipolitik geht vor Sachpolitik)
- der Bürger (das Volk) hat praktisch wenig zu sagen, sowohl in der Sache als auch bei Auswahl der Politiker – er wird nur noch als „Stimmvolk“ gebraucht

Oder wie der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in den 80-ern vor Demokratieverlust warnte, als er meinte, „dass sich die Parteien den Staat zur Beute machen“ und ihnen „Machtvergessenheit“ und „Machtversessenheit“ vorwarf. Den Politikern muss mangelnde gemeinwohlorientiertes Handlungsfähigkeit vorwerfen, das sich besonders in den vielen gescheiterten „Reformen“ niederschlägt. Ebenso besteht im politischen System ein ausgesprochenes fehlendes Partizipationsdefizit – die Bürger können keine demokratische Kontrolle mehr ausüben.

Die Entmündigung der deutschen Wähler zeigt sich besonders auf der Bundesebene. Wenn die großen politischen Parteien sich einig sind, ein politisches Problem nicht anzupacken, kann der Wähler mit dem Stimmzettel nichts ausrichten.
Oder die Parteien entscheiden gegen den Volkswillen, wie z. B. unlängst beim Einsatz deutscher Soldaten im Ausland. Trotzdem nach Umfragen zwei Drittel der Bevölkerung gegen den Einsatz waren - entschied der Bundestag dafür!

Oder bei der Umsetzung des ehemaligen Artikels 168 des GG, dass sich das „deutsche Volk nach der Wiedervereinigung in freier Selbstbestimmung eine Verfassung gibt“! Das Grundgesetz wurde elegant ausgehebelt, in dem man die Wiedervereinigung zum Beitritt erklärte – eine genialer politischer Schachzug! Die zwei wichtigsten Themen einer Verfassung sind die Legitimierung der Staatsmacht und ihre Begrenzung. Da wir keine vom Volk legimitierte Verfassung haben, sondern nur ein von den alliierten „befohlenes“ und 1990 modifiziertes Grundgesetz, frage ich mich manchmal wieso heißt es eigentlich „Bundesverfassungsgericht“ und „Verfassungsschutz“ und wer begrenzt die Staatsmacht?


Quelle: Hans Herbert von Arnim, Vom schönen Schein der Demokratie, Knaur 2002

1 Kommentar 21.1.07 20:52, kommentieren